Institut für Humangenetik

Zytogenetik und Karyotypevolution

Untersuchungsmethoden

GTG-Bänderung (G-bands by trypsin using Giemsa)

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Prinzip:

 

Durch die Behandlung mit Trypsin und anschließender Färbung der fixierten Metaphase-Chromosomen mit Giemsa wird ein reproduzierbares Bandenmuster erzeugt.

Aussage:

Die GTG-Bänderung ist die Standardmethode für Chromosomenanalysen zur Erfassung numerischer und struktureller Aberrationen.

Bemerkung:

 

 

 

 

 

Die Durchführung der Diagnostik sowie die Befunderhebung richtet sich nach den Leitlinien zur zytogenetischen Labordiagnostik des Berufsverbandes Medizinische Genetik e.V. , der in der pränatal Diagnostik eine Auflösung von mindestens 300 Banden pro haploiden Chromosomensatz fordert sowie von mindestens 400 Banden in der postnatal Diagnostik (Verlag Medizinische Genetik Sonderdruck, 7. Auflage Okt. 2001, S. 57-58). Das zytogenetische Labor des Institutes für Humangenetik und Anthropologie der FSU Jena nimmt regelmäßig an der vom Berufsverband Medizinische Genetik e.V. auf nationaler Ebene organisierten Qualitätskontrolle teil.

 

CBG-Bänderung (G-bands by Barium hydroxide using Giemsa)

 

Prinzip:

 

Durch eine alkalische Denaturierung mit Bariumhydroxid und anschließender Färbung der fixierten Metaphase-Chromosomen mit Giemsa wird selektiv das konstitutive Heterochromatin angefärbt.

Aussage:

 

Die CBG-Bänderung dient der Beurteilung der Zentromerrregionen, der heterochromatischen Regionen des Chromosoms 1, 9, 16 und Y sowie der Satelliten akrozentrischer Chromosomen.

Bemerkung:

 

Diese Methode wird standardmäßig bei allen postnatalen Untersuchungen eingesetzt und bei Bedarf zusätzlich zur Abklärung heterochromatischer Bereiche in der pränatal Diagnostik.

 

NOR-Färbung

 

Prinzip:

Durch die Färbung mit Silbernitrat werden die Nukleolus organisierenden Regionen spezifisch angefärbt.
Aussage: Die NOR-Färbung dient der Beurteilung der NOR-Regionen in den kurzen Armen akrozentrischer Chromosomen (13,14,15,21,22).

Bemerkung:

 

Diese Methode wird sowohl pränatal als auch postnatal zusammen mit der CBG-Bänderung herangezogen um Auffälligkeiten in den kurzenArmen der akrozentrischen Chromosomen abzuklären.

 

Hinweise zur Sicherheit von Chromosomenanalysen

Das Ergebnis einer Chromosomenanalyse gibt eine hohe aber keine absolute Sicherheit. So können mit Hilfe der Chromosomenanalyse z.B. nur grobe und mikroskopisch sichtbare Chromosomenveränderungen nachgewiesen werden. Feinstrukturelle Chromosomenaberrationen, die sehr selten auftreten bzw. submikroskopisch oder auf der DNA-Sequenzebene bzw. epigenetischen Ebene (z.B: Uniparentale Disomien) liegen, lassen sich mit den oben genannten Methoden nicht nachweisen. Zudem können Erkrankungen des Neugeborenen, die nicht durch eine Chromosomenstörung verursacht werden, nicht durch eine Chromosomenanalyse nachgewiesen werden.

Die Möglichkeiten der Chromosomendiagnostik haben sich in den letzten Jahren erweitert. Daher kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, bei bereits erhobenen unauffälligen Chromosomenbefund die Analyse noch einmal zu wiederholen und gegebenenfalls auf spezifische molekular-zytogenetische und molekulargenetische Untersuchungen zu erweitern. Dies kann vor allem angezeigt sein, wenn die Erstellung des ersten Befundes längere Zeit zurückliegt oder sich die Fragestellung geändert bzw. präzisiert hat.

 

 

Wichtige Indikationen für zytogenetische Untersuchungen

Pränatal:

Vor jeder vorgeburtlichen Diagnostik wird eine Humangenetische Beratung empfohlen, um Informationen über den Umfang und die Möglichkeiten der Diagnostik an die Patientin weiterzugeben. Dringend angezeigt ist eine genetische Beratung, wenn ein auffälliger Chromosomenbefund vorliegt. Eine solche Beratung kann bei uns im Haus erfolgen.

  • Erhöhtes mütterliches Alter >35 Jahre
  • Besondere Beunruhigung
  • Auffälliger Tripletest
  • Auffälliges First-Trimester-Screening
  • Auffälliger Chromosomenbefund bei den Eltern
  • Trisomie 21 (13, 18) in der Verwandtschaft und anderen familiär vorliegenden
    chromosomalen Aberrationen (Ausschluss kryptische Translokation) Ţ gegebenenfalls FISH
  • Vorausgegangene Schwangerschaft mit Chromosomenaberration
  • Vorausgegangene Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt
  • Missed abortion / habituelle Aborte
  • Verdacht auf Mikrodeletionssyndrome z.B.: CATCH 22 bei Herzfehler Ţ FISH
  • Sonographische Auffälligkeiten : z.B.
    - White spot li/re HV
    - Plexuszyste
    - Wachstumsdiskrepanz
    - Pyelektasie
    - Erhöhte Nackentransparenz
    - Auffälliges Os nasale
    - Echogener Darm Ţz. A. Mukoviszidose
    - Hydrops fetalis u.s.w.

Postnatal:

  • Dysmorphiezeichen (z.B. Kopfbereich, Hände, Füße)
  • Kombinierte / komplexe Fehlbildungen
  • Körperliche und geistige Entwicklungsstörungen
  • Indifferente Geschlechtszuordnung / Geschlechtsdiagnostik
  • Kleinwuchs, fehlende/verzögerte Pubertät, fehlende Entwicklung der sek.
    Geschlechtsmerkmale, Hypogonadismus , Hochwuchs (z.B. V.a.
    Klinefelter-, Turner-, Triple X-Syndrom)
  • Sterilität, geplante ICSI
  • 2 und mehr Fehlgeburten
  • Elternuntersuchung (z.B. bei unbalancierter Translokation des Kindes)
  • Auffälligkeiten unklarer Genese / Verdacht auf ein Syndrom
  • z. A. von Chromosomenaberrationen bei Erkrankungen, die nur
    molekulargenetisch nachweisbar sind (z.B. Mukoviszidose, Zellweger u. a. Stoffwechselerkrankungen)
    Ţ zusätzlich Molekulargenetik
  • Verdacht auf Mikrodeletionssyndrome: z.B. Ţ alle zusätzlich FISH, gegebenenfalls Molekulargenetik
    - Wolf Hirschhorn-Syndrom
    - Cri-du-chat-Syndrom
    - Williams-Beuren-Syndrom
    - Rubinstein-Taybi-Syndrom
    - Angelman-Syndrom
    - Prader Willi-Syndrom
    - Smith-Magenis-Syndrom
    - Miller-Dieker-Syndrom
    - CATCH 22 / DiGeorge-Syndrom
    - Kallmann-Syndrom
    - Steroid-Sulfatase-Mangel
    - Deletion 1p36-Syndrom
    - SRY (Nachweis krypt. Transl. / Deletion)
    - Down critical region (Nachweis krypt. Translokation)

 

 

Erforderliches Untersuchungsmaterial und Dauer der Untersuchung


Pränatal:

Eine telefonische Voranmeldung wird erwünscht unter: 03641/935586 bzw. 935530.

Bitte zu jeder Probe einen Begleitschein Pränatale Zytogenetik beilegen.

Postversand möglichst zu Wochenanfang per Eilboten, ungekühlt. Bei Zusendung von Proben zum Wochenende ist eine vorherige telefonische Information dringend erforderlich. Bitte die Proben durch feste Umhüllungen vor Bruch und Auslaufen sichern.
Bekannte HIV-Infektionen bzw. andere Krankheiten die durch Patientenmaterial übertragbar sind bitte auf dem Begleitschein
kenntlich machen.
Bei auffälligen Befunden ist eine genetische Beratung dringend angezeigt. Diese kann im hiesigen Institut erfolgen.

Sollten Sie Fragen zur Diagnostik von einzelnen Erkrankungen haben, so stehen wir selbstverständlich telefonisch zur Verfügung (03641/935530).

 

Untersuchungsmaterial Dauer Bemerkungen
Fruchtwasser (ca. 10-20 ml) mit oder ohne AFP-Bestimmung ca. 10-14 Tage Vorläufiger Chromosomen- und AFP-Befund nach 6-9 Tagen an den Einsender
Schnelltest (STR-Diagnostik auf numerische Aberrationen der Chromosomen: 13,18,21,X,Y) ca. 1-2 Arbeitstage nur im Vorlauf einer konventionellen Analyse
Chorionzotten (ca. 10-40 mg in sterilem Medium oder Kochsalzlösung) 2 Tage Kurzzeitkultur bzw.
10-14 Tage Langzeitkultur
 
Nabelschnurblut ca. 2-5 Tage (ca. 2 ml Heparin- Blut) sofern nicht anders vereinbart erfolgt immer ein Kleihauer-Betke-Test zum Nachweis fetalen Hämoglobins
Abortmaterial (10-20 mg in sterilem Medium oder Kochsalzlösung) ca. 14-28 Tage  

Es besteht die Möglichkeit, auf Wunsch bei vorheriger Absprache Zellen für spätere Untersuchungen aufzubewahren gegebenenfalls DNA zu isolieren oder kultivierte Zellen bzw. isolierte DNA an Speziallabors (z.B. für spezifische molekulargenetische Diagnostiken) zu versenden.

 

Postnatal:

Bitte zu jeder Probe einen Begleitschein Postnatale Zytogenetik beilegen.

Postversand möglichst zu Wochenanfang per Eilboten, ungekühlt. Bei Zusendung von Proben zum Wochenende ist eine vorherige telefonische Information dringend erforderlich. Bitte die Proben durch feste Umhüllungen vor Bruch und Auslaufen sichern. Bekannte
HIV-Infektionen bzw. andere Krankheiten die durch Patientenmaterial übertragbar sind bitte auf dem Begleitschein kenntlich machen. Bei auffälligen Befunden ist eine genetische Beratung dringend angezeigt. Diese kann im hiesigen Institut erfolgen.

Sollten Sie Fragen zur Diagnostik von einzelnen Erkrankungen haben, so stehen wir selbstverständlich telefonisch zur Verfügung (03641/935530).

 

Untersuchungsmaterial Dauer Bemerkungen
Ca. 5 ml peripheres, venöses Heparin-Blut ca. 10 Tage, dringend 2-4 Tage  
Hautfibroblasten (in sterilem Medium oder Kochsalzlösung) ca. 14-28 Tage  

 

Es besteht die Möglichkeit, auf Wunsch bei vorheriger Absprache Zellen für spätere Untersuchungen aufzubewahren gegebenenfalls DNA zu isolieren oder kultivierte Zellen bzw. isolierte DNA an Speziallabors (z.B. für spezifische molekulargenetische Diagnostiken) zu versenden.






Kontakt

Für Patienten und Ratsuchende
Zentrum für ambulante Medizin
Carl Zeiß-Platz 8
07743 Jena

Tel. 03641-934924
Fax. 03641-934925

Für Studierende und Gäste

Institut für Humangenetik
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Fax. 03641-9-396802

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Prof. Dr. Christian Hübner


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